Karneval – kein Rollenspiel

Ich habe Kuno immer wieder gefragt, als was er an Karneval verkleidet sein möchte. Die Antwort war immer: Feuerwehrmann! Das war ehrlich gesagt nicht schwer zu erraten, da auch die Geschenkefrage immer auf ein weiteres Feuerwehrauto hinausläuft. Ist ja auch völlig in Ordnung, Feuerwehrleute sind ja auch coole Typen und echte Helden, vor allem in Kinderaugen. Als kurz vor Karneval schon die ersten Kostüme der anderen Kinder im Kindergarten preisgegeben wurden, war schnell klar: vermutlich wird Kuno nächstes Jahr Spiderman. Ich finde es überhaupt nicht schlimm, wenn ein Kind Spiderman oder Batman oder was auch immer für ein Superheld sein möchte. Ich wundere mich nur immer, wie die Industrie es schafft, schon so kleine Knirpse mit Merchandise Material zu überfluten, obwohl sie noch Jahre brauchen, um überhaupt ins Kino gelassen zu werden, um die entsprechenden Filme zu sehen. Klar kommt das von den älteren Kindern, aber die sind im Kindergarten ja nun auch erst 5 oder 6.

Eine Freundin von mir erzählte mir mal, dass ihr damals 3-oder 4 Jähriger Sohn umbedingt eine Uhr von “Cars” haben wollte, weil alle Kinder in der Kita davon sprachen und Sachen mit Motiven des Films hatten. Er hat immer wieder davon erzählt, bis meine Freundin endlich diese Uhr kaufte. Stolz wie Oskar ging der Kleine in die Kita und schon nach ein paar Tagen wurde die Uhr nicht mehr angezogen. irgendwann fragte meine Freundin nach, warum er denn die heiß ersehnte Uhr nicht mehr tragen wolle, woraufhin er antwortete, dass die anderen Kinder meinten, dass das schon wieder uncool sei. Ich fand die Geschichte herzzerreißend und stellte mir ständig vor, wie ihr Sohn enttäuscht feststellen musste, wie er schon nicht mehr dazu gehört.

Karnevalsparty

Das hatte jetzt zwar nichts mit Karnevalskostümen zu tun, zeigt aber, wie die Kinder von der Industrie benutzt werden. Das wissen wir alle schon lange, aber je älter die Kinder werden, desto deutlicher wird es mir als Mutter, wie abstrus das alles ist. Die Vermarktung von Film und Fernsehmerchandising ist da eine Sparte, aber auf der anderen Seite die Vermarktung von Spielzeug und Süßigkeiten, die genderspezifisch sind, finde ich mehr als problematisch. In einer Gesellschaft, in der wir unseren Kindern beibringen wollen, dass Brillenträger keine “Brillenschlangen”, Menschen mit Behinderung keine “Spastis” oder “Mongos” und Homosexuelle keine “Schwuchteln” sind, ist es eher kontraproduktiv, wenn alles in Rosa und irgendeiner anderen Farbe wie Blau für Jungs eingeteilt ist. Überraschungseier, Playmobil und eben auch Kostüme. Bei H&M gab es dieses Jahr auch Kostüme zu kaufen: Prinzessin oder Elfe in rosa Glitzer für Mädchen und Superhelden und Drachen für Jungs. So ähnlich sah es dann auch auf der Kindergarten Karnevalsparty aus. Ich finde es schade, weil dann die Kostüme ein Rollenspiel gar nicht mehr wirklich zulassen.  Es war jedenfalls nicht wahnsinnig abwechslungsreich und ich muss sagen, ich war erstaunt, dass es nur einen Feuerwehrmann gab, aber die sind wahrscheinlich uncool. Ich kann auch verstehen, wenn die Mädchen einen rosa Traum aus Tüll und Glitzer anziehen möchten und die Jungs Superhelden sein wollen, aber ich bin mir auch sicher, dass sie sich das nicht zwangsläufig  aussuchen würden, wenn alles um sie herum ihnen dies nicht genau so vermitteln würde.

Kostüm Feuerwehrmann



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